Feierabend, oh wie schön

Langsam schließe ich als Letzter in meiner Abteilung die Glastür hinter mir. Kurz auf die Uhr geschaut. Wieder einmal länger gearbeitet als gewollt. Nun aber los. Selber Schuld. Muss mal wieder mehr an mich denken.

Noch 10 Minuten bis die Bahn kommt. Rein in den Fahrstuhl. Bleibt in der 2ten Etage stehen. Ein Herr möchte zwei Etagen nicht laufen. Die Tür geht nur langsam zu. Es ist halt nur ein Lieferantenaufzug. Ein weiterer Blick auf die Uhr verrät, aus den 10 Minuten wurden 7. Jetzt einen Gang zugelegt. Fällt schwer. Es ist Winter. Über den eisglatten Wege rennt es sich schlecht. Auf der Spree spiegeln sich die Stadtlichter und der Mond. Ein wunderbarer Anblick. Auf dem Bahnhof angekommen fährt die Bahn ein. Diesmal pünktlich und ein Sitzplatz dazu. Ein Lichtblick an dem so trüben Wintertag. Es ist leider nicht mehr die Normalität hier in Berlin. Jeden Tag etwas Neues zu Erleben.

„Wegen Schneeflocken auf den Gleisen ist der Zugverkehr unterbrochen“

Wegen Notfalleinsatz oder auch gut:
Wenn Leute zu Hause plötzlich bemerken es ist kein Kupfer mehr im Kühlschrank. Die Deutsche Bahn borgt uns doch sicherlich was. Mal eben die Leitungen an gesäbelt und ab geht die Luzi.

Lasse mich auf den Sitz fallen wie der Herr neben mir. Der Geruch aus seiner Bierflasche vermischt sich mit der Person aus der nächsten Reihe, welche wohl nur zum übernachten her kommt. Versuche das atmen zu reduzieren. Die Augenlieder werden immer schwerer. Draußen ist es wieder dunkel. Nur 10 Minuten Tageslicht über den Tag erblickt. Sonst nur vom Monitor und gelben Bürolicht beleuchtet worden. Kaum sind die Augen zu klopft es an meinem Hosenbein.

„Die Fahrkarte bitte…“

Ich krame in meiner Tasche und reiche mein Plastekarte hinüber. Der Kontrolleur hält sein Gerät ran und ein grüner Hacken erscheint auf dem Display. Er nickt mir zu. Ein anderer Passagier mit dunklerer Hautfarbe hatte weniger Glück. Er wird hinaus gebeten. Zusammen mit den Kontrolleuren verlässt er die Bahn. Der Ertappte ohne Ausweis machte keine Versuche stehen zu bleiben und marschiert Richtung Ausgang. Bis sich ein Kontrolleur in dem Weg stellt. „Ich nix verstehen.“ vermischt sich seine Worte mit dem Abfahrtsignal der Bahn.
Der Hotelgast schläft immer noch. Scheint der Kontrolle nicht zu stören. Nun gut wenigstens unterhält er nicht den ganzen Wagon lautstark mit seinen Anekdoten wie seine Kollegen.

Endlich angekommen, frische Luft, durchatmen. Jetzt nur keinen Fehler beim Aussteigen machen und Luft anhalten. Durchatmen tun nur die Anderen. Denn schon nach einem Schritt aus der S-Bahn gehen die Zigaretten vor mir an und mein Kopf ist in einer dunklen grauen Dunstwolke umhüllt. Akrobatisch alla Keanu Reeves aus Matrix versuche ich auszuweichen. Es bleibt beim Versuch. Der geschmolzene Schnee bildet riesen große Pfützen auf den alten Treppenabsätzen.
Alles läuft im Entenmarsch. Nur noch 5 Minuten Straßenbahn. Doch die Anzeige scheint zu defekt zu sein. 20 Minuten kommt die nächste Straßenbahn in meine Richtung. Zücke mein Handy um zu schauen was nicht stimmt.

„Wegen Demonstrationen Linker und rechter autonomer Gruppen kommt es zu Verzögerungen.“

Ok, also wieder ab in die nächste S-Bahn, welche schon einfährt. Den Gang von gestresst auf Massensprint geändert. Dabei völlig die Pfützen vergessen. Die Schuhe stehen unter Wasser, aber die Bahn noch bekommen.
Einmal durchatmen. Gott sei dank.
An der Bushaltestelle reibe ich meine müden Augen. Das selbe vertraute Bild. Der nächste Bus in meine Richtung – in 20 Minuten. Bleibt nichts anderes als zu laufen. 15 Minuten Fußmarsch. Im Sommer eine schöne Strecke. Nur jetzt ist der Regen in Schneeregen übergegangen und der Wind peitscht die nassen Flocken um die Ohren.

Zu Hause dann endlich angekommen. Schaue schon gar nicht mehr auf die Uhr. Völlig durchnässt. Von nassen Socken über nasse Haare bis hin zum durchgeschwitzten Körper. Freundin liegt schon im Bett. Durch ihre Spätschicht bekomme ich sie leider viel zu wenig zu Gesicht.
Schnell noch das Mikrowellenessen rein und ab unter die Dusche. Nach Xbox spielen ist mir heute nicht mehr. So schleiche ich mich in die Schlafstube und stoße mit dem Schienbein gegen die Bettkannte. Beiße die Zähne zusammen und atme tief durch. Doch zu spät. Es kommt ein leises Jammern aus dem Bett, ich solle gefälligst leise sein. Ich lege mich hin.

Die Decke bis zum Anschlag über beide Ohren. Plötzlich ein Kinderheulen. Ok, sind halt noch Kinder und Augen wieder zu. Sekunden später kam die Mutter herein. Hatte nicht mehr so viel Geduld wie ich und brüllt dem Kind ihre Meinung zu endlich ruhig zu sein, dass auch der letzte aus dem Hause dies mitbekomme. Wäre ja nicht so als würde ich drei Etagen über sie wohnen. Also umgedreht. Neben mir atmet meine Freundin ganz flach. Ihre Hand wandert ganz langsam aus ihrer Bettdecke hervor. Ich ergreife sie. Zusammen verbunden, in der Hoffnung morgen wird alles besser hole ich noch einmal tief Luft und schlafe ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert